Drehortreise Oktober 2018

Nachdem ich alle Drehorte der Winnetoufilme zur Genüge abgegrast habe, habe ich mich auf ein neues Terrain begeben ... auf die Spuren des Schut sowie auf die Suche nach der Pyramide des Sonnengottes und des Schatzes der Azteken.

Im September / Oktober ging es dazu nach Bosnien-Herzegowina, nach Montenegro und in den Kosovo.

Eine wunschschöne Tour zu für mich neuen Schauplätzen der Karl-May-Filme „Der Schut“ und der Doppelproduktion „Der Schatz der Azteken“ / „Die Pyramide des Sonnengottes“ liegt schon wieder hinter mir. Diese von Michael Petzel initiierte und von Wikinger Reisen organisierte Reise führte zu Drehorten in Bosnien-Herzegowina, Montenegro und in den Kosovo. Erstmals hatte ich mich für eine organisierte Reise entschlossen, musste also nicht selbst im Vorfeld tätig werden und den Tourplan, die Übernachtungen und vor allem die Drehorte per Google lokalisieren. So blieb einzig, vorab nochmals die Filme anzuschauen und für die avisierten Drehorte die jeweiligen Filmfotos mittels Screenshots zu ziehen.

1.Tag, Samstag, 29.09.2018
Die Anreise konnte individuell gestaltet werden. Für die Teilnehmer aus Deutschland war ein Flug von Frankfurt/M. nach Dubrovnik im Angebot enthalten. Ich hatte mich entschlossen, diesen mit den anderen Teilnehmern zu nutzen und nach Frankfurt mit dem Auto zu fahren, da am Abend des Rückreisetages eine direkte Zugfahrt zurück nach Braunschweig nicht mehr möglich war. Bedingt durch den Ferienbeginn in Niedersachsen und den erwarteten Menschenmassen am Flughafen bin ich bereits um 8:00 Uhr gestartet. Wider Erwarten gab es keinerlei Verkehrsstörungen, so dass ich ohne Probleme in Frankfurt ankam. Auch das Abstellen des Autos auf einem privaten Parkplatz verlief reibungslos. Am Flughafen waren jedoch die erwarteten Schlangen am Check-In, an der Pass- und Personenkontrolle. Knapp 1,5 Stunden habe ich von der Ankunft am Flughafen bis zum Abflugschalter gebraucht. Trotzdem hatte ich noch genügend Zeit durch die Läden zu bummeln.

Am Abflugschalter traf ich dann auch auf 5 Teilnehmer, die mir allesamt von früheren Veranstaltungen in Kroatien oder Berlin bekannt waren. Da die Teilnehmerliste anonymisiert war, war eine Kenntnis über die Teilnehmer vorab nicht möglich.

Mit etwas Verspätung hob dann der Flieger gen Dubrovnik ab. Am Flughafen wurden wir von Dragan, unserem Fahrer und von Miljan unserem Reiseleiter vor Ort bereits erwartet. Es gesellte sich noch ein weiterer Teilnehmer zu uns, mit dem ich schon seit langem Mailkontakt pflege, aber noch nicht persönlich begegnet war. Entsprechend groß war das Hallo. Im Hotel trafen wir dann auf die restlichen Teilnehmer aus Österreich, Italien und Luxemburg. Beim gemeinsamen Abendessen stellten wir uns gegenseitig vor und Michael Petzel stimmte uns auf die folgenden Tage ein.

2.Tag, Sonntag, 30.09.2018
Um 08:00 Uhr ging es bereits los Richtung Ivanica, dem Grenzübergang oberhalb von Dubrovnik. Der Grenzübertritt stellte uns gleich auf eine harte Geduldsprobe. Mehr als eine Stunde dauerten die Passformalitäten der Aus- und Einreise. Heute am ersten Tag standen in der Hauptsache Drehorte aus „Old Shatterhand“ und „Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten“ auf dem Programm. Direkt hinter der Grenze lag die Westernstadt aus dem Film „Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten“. Anhand zweier Panoramafotos, die Michael Petzel mitgebracht hatte, ließ sich der Standort genau erkennen. Und wir konnten gleich unsere bisherigen Annahmen korrigieren. Nach allgemeinen Informationen in der Szene sollte die Stadt eigentlich auf der auch heute noch unbebauten Fläche rechts der von der Hauptstraße in die Ortschaft abzweigenden Straße gelegen haben. Weit gefehlt. Die beiden Bilder belegen eindeutig, dass die Stadt links der Straße im heute bebauten Teil gelegen hat. Anschließend ging es einmal rund um und durch das Popovo polje. Wie an der Perlenschnur reihen sich in diesem Tal die Drehorte aneinander. Anschließend ging es weiter zu den Drehorten ins Zupcital. Mit Einbruch der Dunkelheit ging es über den Pass, natürlich wieder mit einiger Wartezeit an der Grenze, nach Montenegro. Unsere Station für die zweite Nacht war Herceg-Novi.

3.Tag, Montag, 01.10.2018
Wieder starteten wir um 08:00 Uhr und es ging hoch hinauf auf den Orjen-Pass. Hier oben wurden die Einstellungen des Postkutschenüberfalls und die Szenen rund um das Franzosengefängnis jeweils im Film „Der Schatz der Azteken“ gedreht. Anschließend ging es in ein kleines, gemütliches, das einzige hier oben in der Landschaft liegende Restaurant zum Mittagsimbiss. Weitere Drehorte standen heute nicht mehr auf dem Programm, vielmehr lag eine sehenswerte Fahrt durch die Bucht von Kotor und die Bergwelt Montenegros nach Budvar vor uns. Budvars Altstadt zählt mit zu den schönsten in Montenegro und so war es nicht verwunderlich, dass alle Teilnehmer den schönen, lauen Sommerabend nutzten, die Altstadt zu erkunden und in einem der zahlreichen Restaurants und Bars den Abend in gemütlicher Runde ausklingen zu lassen. So ganz nebenbei ist am Rande der Altstadt noch ein Requisit aus dem Film „Raubzug der Wikinger“, die große, goldene Glocke, zu besichtigen.

4.Tag, Dienstag, 02.10.2018
Heute standen nicht allzu viele Drehorte auf dem Programm, die Abfahrt war auf 09:00 Uhr festgelegt, so dass wir eine Stunde länger schlafen konnten. Leider bewahrheitete sich die Wettervorhersage und der Himmel war wolkenverhangen. Unsere erste Station war der Hafen von Petrovac. Hier ankerte im „Schut“ Lord Lindsays Yacht und der als Kaufmann Nirwan getarnte Schut fährt mit seiner Kutsche vor. Gerade als wir die Besichtigung der Hafenmole beendet hatten, setzte ein Starkregen ein, der uns zwang eine Pause in einem Hafencafe einzulegen. Als der Regen nachgelassen hatte, machten wir uns auf den Weg nach Ulcinj. Erster Anlaufpunkt war die Klezna-Schlucht. Hier konnten wir uns jetzt selbst ein Bild der Zerstörung machen, von der andere K-M-Fans schon berichtet hatten. Umfangreiche Bauarbeiten zur Straßenverbreiterung haben das Aussehen komplett verändert. Die Schlucht hatte bereits eine Straßenverbreiterung hinter sich, die aber in Maßen durchgeführt wurde, so dass der Charakter erhalten geblieben war. Lediglich an den oberen Felsformationen kann man jetzt noch Rückschlüsse auf die hier gedrehten Filmszenen ziehen. Anschließend ging es weiter zu den Drehorten „Abschiedsszene“ zu Beginn des Films „Old Shatterhand“ und zur Wiese, auf der der Zweikampf Winnetou vs. Großer Bär zu Ende gedreht wurde. Als letzte Station ging es nach Ada Bojana. Auf der heute schon recht stark bebauten Ebene wurde die Flucht des Trecks und das Trecklager mit dem Tanz der Siedler gedreht. Genaue Drehorte lassen sich hier nicht ermitteln, lediglich die Berge im Hintergrund geben in etwa die Positionen her. Aufgrund der schlechten Witterung ging es danach direkt ins Hotel in die Altstadt von Ulcinj. Nach der Ankunft im Hotel klarte der Himmel bereits wieder auf, und so stand einer Altstadtbesichtigung nichts im Weg. Am Abend traf sich eine kleinere Gruppe in einem schönen, oberhalb der Klippen gelegenen Restaurant. Es sollte ein sehr lustiger, m.M. nach der schönste Abend der Tour werden.

5.Tag, Mittwoch, 03.10.2018
Heute stand eine lange Busfahrt an. Daher hieß es wieder früh aufstehen und frühstücken. Die Tour führte uns von Ulcinj über Podgorica durch die Moraca-Schlucht bis in den Kosovo nach Pec. Innerhalb der Moraca-Schlucht liegt eine Vielzahl an Drehorten. Ich muss gestehen, ich hatte mir die Schlucht noch spektakulärer vorgestellt. Auch von den Drehorten war ich bis auf einen, die alte Bogenbrücke in der Nähe des Moraca-Klosters, enttäuscht. Kein Drehort ist mehr im Originalzustand. Sofern lediglich die Natur den Drehort überwuchert, ist das ja im Lauf der Zeit verständlich. Aber fast alle Drehorte sind durch Menschenhand verändert. Auch hier wurde am Treffpunkt auf Busra, den Bettler, die Straße verbreitert. Am Drehort Rih’s Tod werden derzeit gerade die Pfeiler der neuen Autobahn in den Himmel gegossen. Dazu sind für die Materialtransporte Straßen in die hinteren Berge geschlagen worden. Die Teufelskanzel ist eine öffentliche Kloake. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Nach einem wieder sehr zähen Grenzübertritt kamen wir schließlich spät abends in unserem Hotel in Pec an.

6.Tag, Donnerstag, 04.10.2018
Am sechsten Tag unserer Reise standen die Drehorte im Kosovo, für fast alle Teilnehmer absolutes Neuland, auf dem Programm. Zunächst besichtigten wir die 3 bisher ausfindig gemachten Drehorte in der Stadt. Das Haus des Muktar, das abgerissen und an anderer Stelle wieder aufgebaut wurde, den Friedhof an dem die Prozession des Mübarek vorbeiführte und letztlich den Basar an der Moschee, in dem Lord Lindsay auf Kara und Hadschi traf. Die Häuser sind zwar alle neu, aber der Charakter der kleinen Hofs ist noch wie damals. Anschließend ging es an den Stadtrand zum Patriarchenkloster. Hier bat Scheetah die speisenden Bauern um Hilfe. Weiter ging die Fahrt nach Streoc. In diesem kleinen Dorf wurde der Bärenkampf gedreht. Leider sind auch hier die alten Steinhäuser nicht mehr vorhanden. Aber anhand des Straßenverlaufs, eines Baumes und der Berge im Hintergrund ließ sich der Drehort noch genau lokalisieren. Auch der alte Friedhof an der kleinen Moschee, die inzwischen auch renoviert ist, ist noch vorhanden. Am Dorfrand, in einem heute völlig zugewucherten Flussbett wurde Kara vor herrlichem Bergpanorama an den Schut übergeben. Als letzte Station stand die Schlucht, in der das Floss überfallen wird, auf dem Programm. Bis auf Karl, Jens und mich zogen alle eine Mittags-/Kaffeepause im Restaurant vor. Wir drei schlugen uns durch das Gebüsch bis auf den oberen Canyonrand durch. Dort wurden wir nicht nur mit einem herrlichen Blick belohnt, sondern wir konnten auch mehrere Felsen der Filmszene ausfindig machen. Anschließend ging es auf die lange Rückfahrt bis Podgorica. Bei Streoc konnten wir dann allerdings noch den großen, alten Friedhof direkt neben der Straße entdecken. Dieser Drehort ist nahezu unverändert. Baumbewuchs und Grabsteine sind noch wie im Film vorhanden. In Podgorica kamen wir dann wieder spät abends an.

7.Tag, Freitag, 05.10.2018
In und um Podgorica liegt eine Vielzahl an Drehorten. Auf dem kleinen Flughafengelände wurden verschiedene Reitszenen, die Verfolgung der Schutkutsche, sowie die Frauen am Marterpfahl der Chichimeks gedreht. Das Flughafengelände kann man ohne weiteres betreten. Hier landen allerdings hin- und wieder Sportflugzeuge, sodass die Landebahn und der Anflugbereich nicht betreten werden sollten. Gleich hinter dem Flughafen liegt in einiger Entfernung die Cijevna, an deren Verlauf bis zum großen Wasserfall (Schlusskampf) etliche Reitszenen gedreht wurden. Etwas weiter abseits liegt in Tuzi der zur „Pyramide des Sonnengottes“ umgestaltete kleine Berg. Von dort ging es weiter zum Skutarisee. Leider ist das Ufer entlang der Bahnschienen sehr dicht und hoch bewachsen, so dass das Panorama der Abschiedsszene nicht mehr mit der Kamera eingefangen werden kann. Der schmale Grasstreifen am Ufer, auf dem die Szene gedreht wurde, ist aber noch gut auszumachen. Für die Szene „See des Vergessens“ gilt im Prinzip das Gleiche, allerding kann man von der Brücke infolge des erhöhten Standpunkts das Panorama noch komplett erkennen. Als letzter Drehort des Tages stand dann die sog. Schutkurve oberhalb des Sees auf dem Programm.

8.Tag, Sonnabend, 06.10.2018
Am letzten Karl-May-Drehorttag standen als erstes die Krater bei Stubica aus dem Film „Der Schatz der Azteken“ auf dem Programm. Vorher besichtigten wir noch das an die Felswand gebaute Kloster Ostroc. Dann ging es zurück nach Trebinje. Leider war die Zeit schon sehr weit fortgeschritten, so dass eine Wanderung hoch zur Festung Kravica ausfallen musste. Unseren letzten Abend verbrachten wir dann wieder in Dubrovnik.

9.Tag, Sonntag, 07.10.2018
Der letzte Tag unserer wunderschönen Reise war gekommen. Zum Abschluss wollten wir das Hotel Argentina und die Villa Scheherazade besichtigen. Zu letzterer wurde uns der Zutritt leider nicht gestattet, da die Villa bewohnt war. Nach der Hotelbesichtigung stand der Rest des Tages zur freien Verfügung. In Dubrovnik wurden ja Star Wars und Games of Thrones gedreht. Zu den Drehorten innerhalb der Altstadt werden regelmäßig Führungen angeboten. Ich oute mich jetzt als Nichtkenner beider Produktionen und deshalb habe ich auch keine Drehortführung mitgemacht, sondern in einer kleinen Gruppe die Zeit bis zur Abfahrt zum Flughafen in einer Bar in der Altstadt verbracht. Zum Abschluss hatte unser Flieger eine Stunde Verspätung, so dass die meisten Reiseteilnehmer ihre Anschlussflüge bzw. Züge nicht erreichten und die Nacht in Frankfurt verbringen mussten. Da ich mit dem Auto angereist war musste ich mir die Nacht nicht um die Ohren schlagen und konnte die Heimreise antreten.

 Fotos folgen in Kürze ...