Tulsa

Unter dem Titel "Geheimnisvolles Tulsa - Ein seit langem bekannter Drehort aus "Der Schatz im Silbersee" macht mehr Probleme, als man annehmen sollte" stellte Michael Petzel in Karl-May & Co. Nr. 132 · Ausgabe Mai 2013 (vgl. Seite 62 ff.) die Standortfrage dieses Drehorts erneut zur Diskussion. Das Erscheinen dieses Artikels in der Mai-Ausgabe des Magazins kurz vor der Jubiläumsgala zum Film "Winnetou 1.Teil", die vom 01.06. bis 04.06.2013 in Starigrad-Paklenica stattfand, war geschickt gewählt, versetzte es doch einige anwesende Fans in Erkundungsfieber.

Dabei ist unter den Drehortexperten die Lage schon lange kein Geheimnis mehr und der ehemalige Standort längst genau platziert. Petzels Angabe in seinem Buch "Der Weg zum Silbersee" (vgl. Seite 80 ff) führt die Drehortreisenden auf eine falsche Fährte in Richtung Turmruine zu einer Wiese am Strand von Starigrad-Paklenica. Definitiv lag die Kulissenstadt vom Hotel Alan aus gesehen auf der linken Straßenseite Richtung Eingang zur großen Schlucht. Aber wo genau und wie lässt sich das beweisen?

Mit entsprechenden Filmbildern und dem Artikel ausgestattet bildete sich aus dem Kreis der Veranstaltungsteilnehmer eine "TSFK", die Tulsa-Standort-Findungs-Kommission. Mehr aus Spaß, als aus der Überzeugung heraus, hier eine Pionieraufgabe zu erfüllen, ging es daran, die genaue Lage ausfindig zu machen.


Die TSFK im Einsatz

Die folgenden Filmbilder dienten dabei als Orientierung:


Filmbild 1: Die Postkutsche kommt die Main Street herunter


Filmbild 2: Lord Castlepool kommt in Tulsa an

Zwei besondere Merkmale auf diesen Bildern helfen, die genaue Lage zu bestimmen. Zum Einen die Bergspitze, die sich hinter der kleinen Paklenica-Schlucht erhebt. Nennen wir die Spitze mal das "Schwert". Sie ist auf den Bildern rot eingekreist. Zum Anderen eine Gebirgsreihe oberhalb des Eingangs zur großen Schlucht. Da diese Gebirgsreihe die Form einer "Gebissleiste" hat, nennen wir sie auch so. Sie ist auf den Bildern durch ein rotes Rechteck markiert.

Schnell stellt man fest, dass der Überhang des Schwerts kleiner wird, je weiter man sich vom Strand entfernt und Richtung Schluchteingang geht. Anhand der Übereinstimmung der Größe des Schwertes mit dem Filmbild 1 markiert man die parallel zur Küstenstraße verlaufende Achse (bezeichnen wir sie als X-Achse), also den Abstand vom Meer und vom Schluchteingang. Diese Achse entspricht dem Verlauf der damaligen Main Street.

Oberhalb der Gebissleiste erkennt man auch heute noch das markante grüne Dreieck in den Felsen. Der rechte Zahn stößt im Filmbild 2 genau auf die Unterkante dieses Dreiecks. Der linke Zahn bildet zum links daneben liegenden Gebirgsteil keine Lücke. Geht man jetzt auf der X-Achse entlang kann man anhand der beiden Eckzähne die Y-Achse markieren. Am Schnittpunkt beider Achsen entstand das Filmbild Nr. 2.

Von der Küstenstraße führen im möglichen Bereich drei Straßen in Richtung Gebirge. Genau gegenüber der Einfahrt vom Hotel Alan führt eine Straße zur Pension "Katharina", danach die Kneza Mogorovica in ein Wohngebiet, und schließlich die dritte Straße, die direkt zur großen Schlucht führt. Schaut man von diesen Straßen auf die Gebissleiste, erkennt man, dass die Straße zur Schlucht zu weit rechts liegt (zwischen dem linken Eckzahn und dem Gebirgsteil befindet sich noch eine Lücke) und die Ulica Kneza Mogorovica fast schon die y-Achse bildet. Man ist zwar noch ein kleines Stück zu weit rechts, aber die Straße macht einen leichten Linksbogen, so dass wir auf dieser unser Glück versuchten.


Bild 1: Die Gebissleiste stimmt schon fast

Also sind wir dieser Straße Richtung Schlucht gefolgt. Am Ende der Straße erreichten wir eine Position, an der Bild 2 entstand, das aussagt, dass man die Position der X-Achse erreicht hat.


Bild 2: Das Schwert ist in Übereinstimmung

Mit Blick auf die Gebissleiste stellten wir fest, dass auch die Positionen der Eckzähne mit Filmbild 2 übereinstimmen.


Bild 3: auch die Gebissleiste stimmt überein

Am Ende der Straße befindet sich noch ein unbebautes, aber stark bewachsenes Grundstück. Diese Position entspricht dem Schnittpunkt der beiden Achsen. Hier dürfte mit einer Abweichung von wenigen Metern der Saloon gestanden haben.


Bild 4: Die an dieser Position übereinstimmenden Kriterien gegenübergestellt

Einige Meter links dieser Position befindet sich die Pension Katharina am Ende der ersten Straße. Mit freundlicher Genehmigung der Wirtin durfte ich aus ihrer Wohnung im ersten Stock ein Foto machen. Dieses Foto zeigt, dass man an dieser Position schon zu weit links ist, da der linke Eckzahl nicht mehr sichtbar ist. Dadurch wird die oben beschriebene Lage des Saloons aber bestätigt.

Auf den Filmbildern 1 und 2 sind jeweils Mauern zu erkennen. Die Mauer auf Filmbild 1, die die Main Street der Kulisse nach hinten begrenzt, könnte sich an der Straße zur Schlucht befunden haben. Die Entfernung kommt in etwa hin. Tatsächlich lassen sich links neben der zur Schlucht führenden Straße alte, überwucherte Mauerfragmente finden.


Bild 5: Die überwucherten Mauerreste entlang der Straße zur Schlucht

Auch auf dem Filmbild 2 ist zwischen Saloon und Post-Office eine Mauer zu erkennen. Und siehe da, auf dem bewachsenen Grundstück sind ebenfalls alte, überwucherte Mauerreste zu finden. Ob diese, insbesondere die zweiten genannten Reste tatsächlich Fragmente der im Film erkennbaren Mauern sind, kann aber nicht mit Sicherheit gesagt werden. Wir bezeichnen es als das letzte ungelöste Geheimnis der Westernstadt Tulsa.

Tulsa, ein Drehort, der eigentlich keine Probleme mehr machen dürfte.

rotes Rechteck: Lage Tulsa,   X: Lage Saloon,   1: Pension Katharina,   2: Standort Bild 1, 3: ungefähre Lage nach Petzel   4: Freds Ritt,  


TSFK:
Ekkehard Sieker
Stefan von der Heiden
Gerhard Schröter
Joachim Giel
Wolfram Ball
Robert Brenninger
Klaus Bruder
u.a.
Unterstützt mit Infos und Filmbildern
durch Ulrich Wirsing und Sandro Florit

 

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